Fazit

Dem Arbeitnehmer steht unbestritten ein Zeugnis-Ausstellungs- und –Berichtigungs-Anspruch zu, den er notfalls auf dem Klageweg durchsetzen kann.

Für nicht zeugnis-erfahrene Arbeitgeber stellt die Zeugnisredaktion eine Herausforderung besonderer Art dar, muss das Arbeitszeugnis doch vielen v.a. materiellen Anforderungen genügen:

  • Individualität
    • Differenziertes Wording
    • Entwicklung der Beziehung während Anstellungsdauer
  • Vollständigkeit + Richtigkeit
  • Wahrheit + Klarheit
    • Grundsatz: Wohlwollende Formulierung für ein wirtschaftlichen Fortkommens des Mitarbeiters
    • Einschränkung: Wahrheit vor Wohlwollen
    • Schranke: Keine Geheimcodes
  • Qualifikation
  • etc.

Dazu kommt, dass viele Arbeitnehmer sich zu positiv und das Negative nur beim Arbeitgeber sehen oder auch bei realistischer Selbsteinschätzung wissen, dass ihre Bewerbungschancen auf dem Stellenmarkt mit einem sehr guten oder guten Arbeitszeugnis besser sind. Arbeitgeber beurteilen oft nur noch die letzten Leistungen und das Schlussverhalten des Arbeitnehmers. Zudem entsteht manchmal in den Fällen der Arbeitnehmerkündigung ein gewisser Frust, Verlassen zu werden und einen neuen Mitarbeiter suchen müssen, was Aufwand, (Suche- und Einführungs-)Kosten verursacht und eine ungewisse Zukunft bringt; es ist das gute Recht jeden Mitarbeiters die Stelle zu kündigen und eine neue Herausforderung zu suchen; der Arbeitsvertrag ist und bleibt ein kündbarer Vertrag. Es geht aber nicht an, die Betroffenheit des Verlassen-worden-seins durch ein eher negatives Arbeitszeugnis zu quittieren.

Langjährige Arbeitsverhältnisse hinterlassen (auch emotionale) Spuren und begründen eher Erwartungshaltungen, die in einem Arbeitszeugnis (berechtigterweise) ihren Niederschlag finden sollten.

Enttäuschte Erwartungshaltungen führen zu arbeitsrechtlichen Meinungsverschiedenheiten, auch beim Wording des Arbeitszeugnisses.

Es erstaunt daher nicht, dass arbeitsrechtliche Streitigkeiten häufig direkt oder indirekt Arbeitszeugnisse betreffen. Viele dieser Klagen werden aber vergleichsweise erledigt, was positiv ist.

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